Urlaubsberichte

Sehnsucht Berge – die ersten Wanderungen

Dieser Urlaub sollte im vollständigen Kontrast zu unserem letzten Sommerurlaub auf Fehmarn stehen, das stand bereits zum Zeitpunkt der Buchung fest. Die Kinder wollten unbedingt mal in die Berge und zum Wandern, damit sie mal etwas anderes erleben. Die letzten Jahre waren sehr geprägt durch ein großes Angebot an Kinderanimation, Spielmöglichkeiten und einer familiären, Kinder reichen Nachbarschaft.

Der Campingplatz am Tennsee ist zwar auch sehr Familien freundlich und bietet sogar gelegentlich eine Kinderaktion an, jedoch nicht vergleichbar mit dem Hegi Familiencamping oder dem Inselcamp Fehmarn, und das ist auch gut so und von uns auch so bewusst gebucht. Wir wollten mehr gemeinsam als Familie unternehmen, in der Natur unterwegs sein, das Auto stehen lassen und lieber den Bus nutzen.

So begaben wir uns an unserem ersten richtigen Urlaubstag direkt zu Fuß auf den Weg in das kleine Örtchen Krün. Das Ziel der ersten kleinen Wanderung war die Touristen-Information und das aus einem ganz bestimmten Grund. Jenny und ich waren bereits vor dreizehn Jahren hier auf diesem Campingplatz und haben damals schon einen großen Spaß an dem damals angebotenen Wanderbuch gehabt. Dieses Buch listet nicht nur alle lohnenswerten Wanderungen der Umgebung auf, es vergibt auch Punkte für jede einzelne Wanderung. Je nach Dauer und zu bewältigenden Höhenmetern, gibt es mal mehr, mal weniger Punkte. Für eine Stunde reine Laufzeit gibt es so vier Punkte, für 300m Anstieg einen Zusatzpunkt und obendrein bekommen Kinder bis 10 Jahre und Erwachsene über 60 Jahre einen Bonus von 20%. Als Trophäen winken Wandernadeln von Bronze (100 Punkte) bis zur Sonderklasse in Gold (1.000 Punkte). Also genau das richtige für Punkte und Trophäen Jäger wie uns. Dass es diese Wanderbücher immer noch gibt, haben wir bereits im Voraus per E-Mail abgeklärt.

Brotzeit auf der Au-Hütte

Nachdem wir also in der Touristen-Information für jeden von uns ein eigenes Wanderbuch erworben hatten und die Kinder noch mit Gummibärchen zur Stärkung ausgerüstet wurden, bekamen wir von der Mitarbeiterin der Information noch den sehr guten Ratschlag, bei der Au-Hütte vorbeizuschauen, da diese nur noch an diesem Tag bewirtet wurde. Damit stand der Plan für den restlichen Tag fest. Entlang der Isar, über Weiden und durch den Wald mit dem ein oder anderen kleinen Aufstieg ging es zur Au-Hütte. Mit den Kindern im Schlepptau genügte die angegebene Laufzeit zwar nicht aus, aber das sollte an diesem Tag und auch bei den folgenden nicht unser Ziel sein. Vorbei an freilaufenden, genügsamem Kühen und Pferden, erreichten wir die Au-Hütte, die uns zu einer Pause mit kühlen Getränken und einer vorzüglichen Brotzeit einlud, bevor wir uns auf den Rückweg nach Krün begaben. Dieser fuhr dann direkt entlang der Isar, die hier noch in ihrem natürlichen, wilden Flusslauf plätschert. Mit der Gewissheit welche Strecke vor allem den Kindern in den Füßen steckte, beschlossen wir den Heimweg von Krün bis zum Campingplatz mit dem Bus zurückzulegen, denn das hatten wir uns verdient. (8 Punkte)

Finzbachklamm & Finzalm

Vollkommen motiviert von der erbrachten Leistung am ersten Tag, beschlossen wir uns am zweiten Tag direkt zu steigern und die Finzalm zu besuchen. Die Tourenbeschreibung versprach einen sehenswerten Weg entlang der Finzbachklamm als Alternative zu dem geschotterten Forstweg. Das hörte sich nach Erlebnis für Groß und Klein an und das war es auch. Es ging bergab über Schotterwege bis zum Finzbach, anschließend entlang des Baches, gesäumt von steilen Klippen, eine richtige Klamm halt. Irgendwo bog der Weg dann wieder ab, ging über steinige Wege und Waldboden schon anspruchsvoller bergauf über Wurzeln und notdürftige Treppenstiegen wieder auf die Ausgangshöhe und weiter hinauf bis zur Finzalm. In einiger Entfernung hörte man bereits die Kuhglocken läuten. Vorbei an der alten Finzalm gelangten wir zur brandneuen, im Jahr 2019 erbauten Almhütte. Auch dort ließen wir uns nieder, klopften uns gegenseitig auf die Schulter, gratulierten uns zu dem erfolgreichen Aufstieg und feiert es gebührend mit vier großen Spezi, einer Brotzeit mit Speck und Bergkäse und einem Kirsch-Streusel-Kuchen. Der Rückweg führte uns zunächst noch etwas weiter hinauf, direkt vorbei an den weidenden Kühen, welche eine unerschütterliche innere Ruhe ausstrahlten, bis der Weg langsam wieder eine Kehre machte und uns zurück in Richtung Krün führte. (16 Punkte)

Leutascher Geisterklamm

Vor zehn Jahren hat unsere Carlotta das Licht der Welt erblickt. Zur Feier des Tages hatten wir uns überlegt die Klammgeister der Leutasch zu besuchen, da uns diese Wanderung noch von vor dreizehn Jahren gut in Erinnerung geblieben ist. Einen genauen Bericht zu diesem Ausflug liefert euch daher Carlotta selbst in einem separaten Blogbeitrag. Nur soviel sei an dieser Stelle verraten, wir starteten die Wanderung im Zentrum von Mittenwald. Von dort aus liefen wir zunächst zum Klammeinstieg auf deutscher Seite, liefen dann zunächst den Kobold-Rundweg, überquerten die deutsch-österreichische Grenze um anschließend auf den Klammgeister-Rundweg direkt durch die Klamm zu laufen. Bei den steigenden Temperaturen war das eine gelungene Abkühlung. Anschließend bummelten wir noch etwas durch das Mittenwälder Stadtzentrum um dort noch etwas zu essen und einen ganz besonderen Wunsch von Carlotta zu erfüllen: das erste eigene Dirndl. (9 Punkte)

Isar-Natur-Erlebnispfad

Inzwischen waren wir im absoluten Wanderfieber. Auch die Kinder haben von Tag zu Tag mehr gefallen am Wandern gefunden, vor allem, wenn es neben der reinen „einen-Fuß-von-den-anderen-Monotonie“ auch noch etwas zu erleben oder zu erfahren gab. Genau aus diesem Grund entschlossen wir uns am vierten Tag für den Isar-Natur-Erlebnispfad, welcher ebenfalls in Krün an der Isar startete. Da wir diese Wanderung ohne Jennys Eltern machten, traten wir uns bereits die Hinfahrt mit dem ÖPNV bis nach Krün an. Von der Haltestelle bis zum Startpunkt der Runde war es nicht weit. Der gut beschilderte Weg führte uns entlang von 25 Wissens- und Aktionsstationen durch Wälder, über Weiden und am Isar Stausee vorbei. Es mussten Bäume anhand ihrer Blätter/Nadeln und Früchte erkannt und das Alter von Stammquerschnitten über die Jahresringe abgezählt werden. Andere Stationen erzählten von der hiesigen Natur, sowohl von Flora wie Fauna und der vorherrschenden Holz- und Weidewirtschaft. Zudem vertrieben wir uns die Zeit noch mit dem ein oder anderen Geocache, welcher direkt entlang des Erlebnispfads gelegt wurden. Diese Runde ist auf jeden Fall für Familien mit Kindern im Grundschulalter empfehlenswert. Doch auch wir Erwachsenen haben noch viel dazu gelernt. Zum Ende der Runde kamen wir dann auch noch an dem neu angelegten Flößer Spielplatz vorbei, ein echtes Highlight für die Kids. Bevor wir den endgültigen Heimweg mit dem Bus antraten, kehrten wir noch spontan ein und genossen, wie sollte es anders sein, erneut eine vorzügliche Brotzeit mit Speck und Bergkäse. Die Kinder bestellten den Kaiserschmarrn, der nach Auskunft des Kellners auch gut und gerne für vier Erwachsene ausreichen würde – dem war auch so. (12 Punkte)

Drei-Seen-Rundwanderung

Das Wetter für den fünften Tag war mehr schlecht als recht angekündigt. Daher entschlossen Jenny und ich uns dazu, am Vormittag erst mal nach Garmisch-Partenkirchen aufzubrechen, um neue Schuhe für Jenny zu kaufen. Ihre aktuellen Wanderschuhe wollten nicht mehr so recht passen und verursachten bereits erste Blasen und Schmerzen. So fuhren wir zum dort ansässigen Sportgeschäft in dem wir sehr gut beraten wurden, stöberten anschließend noch etwas durch die benachbarten Mode und Dekorationsgeschäfte, bevor wir wieder zum Campingplatz zurück fuhren. Die Wettervorhersage war weiterhin unverändert durchwachsen, doch der Himmel lockte mit einigen Sonnenstrahlen. So entschlossen wir uns dazu die Kinder im Wohnwagen zu lassen, versorgt mit ausreichend Getränken, süßen Speisen und einer großen Auswahl an Computerspielen und machten uns zu zweit auf die Drei-Seen-Rundwanderung, schließlich müssen wir die mittlerweile entstandene Punkte-Lücke zwischen uns und den Kindern, die ja immer 20% Bonus erhielten, verkleinern. Der Rundweg führte uns zunächst um den Barmsee bevor wir wir dann Richtung Geroldsee abbogen. Der Himmel wurde bereits dunkler und in der Ferne hörten wir es schon leicht grummeln. Wir entschlossen uns dennoch dazu, den Weg weiter zu gehen, zogen uns lediglich schon einmal die Regenjacken über, bevor wir dies nachher im Regen hätten machen müssen. So ging es weiter über Stock und über Stein, entlang des Geroldsee bei leichtem Regen, der kaum spürbar war. Nachdem wir gut die Hälfte der 12km langen Strecke geschaut hatten, machten wir eine kurze Pause um uns einen Schluck Wasser und zwei Landjäger zu genehmigen. Doch dann öffnete Petrus seine Pforten und ließ nach anfänglich immer stärker werdenden Regen auch Hagel auf uns nieder prasseln, sodass sogar der Unterschlupf im Wald nicht mehr viel brachte. Der Hagel schoss durch das dichte Blattwerk durch. Doch auch davon ließen wir uns nicht unterkriegen, nahmen das ganze mit einer ordentlichen Portion Humor und einer noch größeren Vorfreude auf einen heißen Kaffee und eine warme Dusche nach unserer Rückkehr. Der restliche Weg verlief vorwiegen über asphaltierte Rad- und Wanderwege, sodass wir uns beide einig waren, dass die erste Hälfte des Weges der schönere Teil war. (18 Punkte)

Goasalm

Nicht nur die letzte Wanderung rund um die drei Seen war feucht fröhlich, es regnete die gesamte Nacht durch und Petrus hatte erst am darauf folgenden Tag ab 12:00 Uhr erbarmen mit uns. Den verregneten Vormittag nutzen wir daher für die notwendigen Einkäufe und Aufräumarbeiten im und rund um den Wohnwagen. So langsam kämpfte sich dann doch die Sonne noch durch die tief hängenden Wolken. Da es bereits Mittag war und unsere Carlotta am Nachmittag noch eine Verabredung mit der Kinderanimation hatte, blieb uns nur ein begrenzter Zeitraum für einen Ausflug. Daher fiel unsere Wahl auf die Goasalm. Eine kleine Alm oberhalb des Campingplatzes in Mitten der Buckelwiesen. Der Weg dort hin hatte lediglich eine kleine Steigung durch den Wald parat, bevor wir auf die Buckelwiesen abbogen und diese auf asphaltierten Wegen recht ebenerdig querten. Zudem nahmen wir noch drei Geocaches auf dem Weg mit um den eh schon recht kurzen Weg noch kurzweiliger zu gestalten. Die Alm war gut besucht, bot uns aber noch ausreichend Platz für eine sehr leckere Brotzeit mit Käse aus eigener Herstellung. Für die Kinder gab es jeweils zwei Kugeln sehr cremiges Eis, ebenfalls aus der Goasalm-Küche, verfeinert mit Ziegenmilch. Auch hier können wir den Besuch nur empfehlen! (vom Campingplatz aus 4 Punkte)